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Landsberg um 1700. Kupferstich von Michael Wenig (Ausschnitt). 'Lechsalzstadel' im Vordergrund

Zur Geschichte des 'Lechsalzstadels' in Landsberg

Das langgestreckte, zweigeschossige Lagergebäude, das mit seinem hohen Satteldach auf den Stadtansichten des 17. und 18. Jahrhunderts vor der westlichen Stadtmauer auf den Kiesbänken des Lechs erscheint', stammt aus dem Jahr 1631 und diente ebenso wie der bereits im 14. Jahrhundert gebaute'(Alte) Salzstadel' in der Hinteren Salzgasse (Nr. 140) und der im 16. Jahrhundert auf dem Roßmarkt errichtete 'Herzogstadel' als Lager und Umschlagplatz für Salz.
Das auch als 'weißes Gold' bezeichnete Salz war bis in die Neuzeit nicht nur als Speisewürze, sondern in erster Linie auch als unentbehrliches Konservierungsmittel ein wichtiges Handelsgut, ohne das die langfristige Versorgung einer größeren Stadt mit eingepökeltem Fleisch oder anderen, in Salzlake konservierten Lebensmitteln, kaum gewährleistet werden konnte. Da es im gesamten Süddeutschen Raum nur wenige Salzvorkommen gab - so im wittelsbachischen Herzogsbereich in Reichenhall (später kamen auch Hallein und Schellenberg dazu) - war nicht nur der Salzabbau, sondern auch der Umschlag und die Verfrachtung von Salz in die salzarmen nördlichen Regionen Bayerns wie auch in die westlichen Gebiete Schwabens bis hin in die
Schweiz von entscheidender wirtschaftlicher und fiskalischer Bedeutung. Neben fortifikatorischen Gesichtspunkten war es vor allem auch der Salzhandel, der die siedlungspolitischen Überlegungen und Handlungen der Landesherren im 12. und 13. Jahrhundert bestimmte.

Dachbalken im 2. Stock

So ließ Welfenherzog Heinrich der Löwe im mittleren 12. Jahrhundert nahe der Landsberg vorausgehenden Siedlung 'phetine' eine Brücke über den Lech schlagen, um so die Kontrolle des Salzhandels und die damit verbundenen Gewinne in seine Hand zu bringen. Der Salzhandel spielte auch bei der zwischen 1260 und 1270 angenommenen Stadtgründung Landsberg und der späteren Stadtentwicklung eine wichtige Rolle. Die Münchner Ratssatzungen, die Landsberg um 1310 erstmals urkundlich als Ende einer Tottstrecke (d.i. Transportstrecke) und damit als Stapelplatz für Salz nennen, lassen allerdings darauf schließen, dass die Stadt am Lech in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens noch kein eigenes Niederlagerecht besaß2. 1320 erteilte Ludwig der Bayer der Stadt das Privileg, Salzzölle zu erheben und verhalf ihr damit zu einer ergiebigen Einnahmequelle,. 1353 erhielt sie durch Herzog Ludwig V. das Recht zur Errichtung einer eigenen Salzniederlage. Gleichzeitig gestattete er der Kommune auch, einen Salzstadel zu erbauen, in der das Salz an der bayerischen Landesgrenze zum Weiterverkauf und- Transport eingelagert werden konnte . Dieser erste Stadel wurde westlich außerhalb der ersten Stadtmauer am Mühlbach errichtet und war ein Vorläufer des heutigen, im 18. Jahrhundert erneuerten Salzstadels an der Hinteren Salzgasse. Die Einrichtung einer Salzniederlage bedeutete für die Stadt einen weiteren wirtschaftspolitischen Gewinn. Doch folgten zunächst drei Jahrzehnte harten Ringens mit dem Landesherren, bis die Landsberger Bürgerschaft dieses Privileg für sich sichern konnte. Bereits zwischen 1362 und 1364 wurde das Niederlagerecht vorübergehend aufgehoben, eine neuerliche Aufhebung erfolgte im Jahr 1368. Erst unter Herzog Stephan 111. wurde es der Stadt 1383 endgültig zugesprochen, so dass diese fortan ihren festen Platz im Salzhandel nach Südschwaben behaupten konnte. Im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts war es den Landsbergern zudem gelungen, die Transportbestimmungen für die Handelsware Salz zu ihren Gunsten ändern zu lassen. Nach 1353 war noch streng geregelt, dass alles Salz, das die Salzfuhren in einer festgelegten Rott von Wasserburg nach München brachten, dort niedergelegt und zum Weitertransport an andere Münchner Händler oder Gäste verkauft werden mußte. 1376 und 1381 wurde es Landsberg zugestanden, das Salz direkt aus den Salinen zu holen und die Niederlage in München damit zu umgehen. Dieses Recht, das Herzog Friedrich im Dezember 1383 bestätigte, stärkte die Position der Landsberger Salzsender, so dass sich diese im Handel nach Schwaben auch im 15. und 16. Jahrhundert gegenüber der Residenzstadt München weiterhin behaupten konnten-. Mit dem Bau eines zweiten großen Salzstadels, dem kurz vor 1537 errichteten 'Herzogstadel' auf dem Roßmarkt, trug man der wirtschaftlichen Prosperität Rechnung und erweiterte damit die Lagerkapazitäten für das in etwa 1 112 Zentner schweren Scheiben nach Landsberg transportierte Salz erheblich. Vermutlich schon vor dem Bau der in den städtischen Kammerbüchern von 1537 erwähnten 'new niderlag Salz zu Bewrn (Bayern)'6 war das Lagerviertel zwischen Mühlbach und Lech mit den beiden Salzstadeln, den Mühlen und der Schranne zudem mit einer neuen Stadtmauer und dem Färbertorturm gesichert worden. Bis in das frühe 17. Jahrhundert blieb der Salzhandel neben dem Handel mit Getreide und der Tuchherstellung das bedeutendste Wirtschaftsunternehmen der Stadt.

Seilwinde und Bauzeichen an den Dachbalken im 2. Stock

Einen harten finanziellen Rückschlag bedeutete es daher, als im Jahr 1604 auf Befehl Herzog Maximilians die Salzniederlage und alle damit verbundenen Privilegien von der Stadt abgezogen wurden und nach mehr als zwei Jahrhunderten wieder an den Hof in München kamen. Landsberg, bis dahin ein blühendes und äußerst wohlhabendes Gemeinwesen, von dem es hieß, es sei eine wahre 'Silbergrueb'1, war somit in seinen kommunalen Einkünften bereits erheblich geschwächt, ehe zwei Jahrzehnte später die wirtschaftliche Kraft unter den verheerenden Einwirkungen von Pest und Dreißigjährigem Krieg endgültig zusammenbrach.

Die Oberaufsicht über den Umschlag des Salzes und die Einnahme von Salzzöllen übertrug man nun einem herzlichen bzw. später kurfürstlichensalzbeamten, dem u.a. der Salzfaktor wie auch heute noch in Erd- und Obergeschoss mehrere Fenster, hinter denen vermutlich Knechtkammern oder Verwaltungsräume lagen. Das einzige Einfahrtstor, durch das Fahrzeuge ebenerdig in den Stadel gelangen konnten, befand sich auch damals auf der nördlichen Giebelseite.

Der innere Ausbau des in Ziegel errichteten Stadels bestand vollständig aus Holz. Hölzerne Stützsäulen mit kräftigen Sattelhölzern gliederten die großen durchgehenden Lagerböden im Erdgeschoss und Obergeschoss dreischiffig, in den Dielenbelägen der Lagerböden öffneten sich große zweiflügelige Falltüren, durch die man Salzscheiben und Säcke mit Hilfe von großen Seilwinden in den oberen Stock und in den großen Dachraum transportieren konnte. In dieser Gestalt blieb der Stadel bis in das mittlere 19. Jahrhundert weitgehend unverändert bestehen; einige Reparaturen sind für 1770 und 1833 überliefert.

Holzbalken im 1. und 2. Stock

Mit Einführung und Bau der Eisenbahn, mit dem seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene einsetzte, kam auch in Landsberg das Ende des bisherigen Salzvertriebs. 1849 löste die kgl. Regierung das Landsberger Salzamt auf unbot ihre nunmehr entbehrlich gewordenen Salzstadel der Stadt zum Kauf an.

Diese erwarb den solide gebauten 'Lechsalzstadel' noch im gleichen Jahr und ließ ihn nach Plänen des Baumeisters Johann Wolf zum städtischen Baustadel umbauen'. Im südlichsten Teil richtete dieser Wohnungen u.a. für einen städtischen Wächter ein, dahinter wurde eine neue Stadtwaage eingebaut, zu deren Bedienung eine große, auch in das erste Obergeschoss reichende Tordurchfahrt eingebrochen wurde. Gleichzeitig setzte man die nicht mehr benötigten Ladetore auf der Westseite zu und veränderte bzw. schloß auch mehrere Fenster im Obergeschoss.

Ein nächster größerer Umbau folgte 1938/39, als die städtische Feuerwehr in den Stadel einzog. In den mittleren Teil des Erdgeschosses kamen nun ein Feuerwehrgerätehaus und Werkstätten, und als Zufahrt für den Garagenteil, über dem man eine neue feuersichere Decke einzog, wurden auf der Westseite acht nahe aneinander gerückte Einfahrtstore geschaffen. Obergeschoss und Dachwerk blieben dagegen unverändert erhalten.

Ansicht des Lechstadels 1989 und des heutigen Eingangs

Erst im Zuge der jüngsten, 1993 abgeschlossenen Umbaumaßnahmen wurden auch hier Änderungen vorgenommen, um dem seit Jahren ohne Nutzung leerstehenden Stadel eine neue Funktion zu geben.
Für die Einrichtung der neuen Stadtbibliothek, des Stadtarchivs und von Büros öffnete man die alten Fenster des Obergeschosses auf der Lechseite wieder und auch die einstigen breiten Toröffnungen im Erdgeschoss wurden in Form von breiten Fenstern wieder hergestellt, so dass die Westseite des ehemaligen Stadels ihre die alte Achsgliederung wieder erhielt. - Das einst weiträumige Innere ist allerdings für die neue Nutzung seit 1993 durch ein neu eingebautes Treppenhaus und Trennwände unterteilt. Doch ist in den größeren der neuen Räume die alte Holzkonstruktion noch einsehbar bzw. hat man sie im Erdgeschoss, wo sie durch spätere Veränderungen inzwischen verloren war, neu eingebaut. Auch die alten hölzernen Aufzugswinden und das mächtige dreigeschossige Kehlbalkendach mit seinem liegenden Stuhl und geblatteten Kopfbändern und den andreaskreuzförmig gekreuzten Windverbänden ist weitgehend erhalten geblieben.

Als eindrucksvolles Zeugnis solider handwerklicher Arbeit zeigt vor allem dieses mächtige Dachgerüst, mit welcher Genauigkeit und Kunstfertigkeit Landsberger Zimmerleute vor mehr als dreieinhalb Jahrhunderten zu arbeiten verstanden. Zudem versahen sie selbst bei diesem einfachen Lagerbau die sorg fältig gebeilten Hölzer des Dachwerks reich mit Schmuckfasen, deren Ausläufer zudem noch farbig mit einer Röthelbemalung abgesetzt wurden.

Dagmar Dietrich

 

   
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